Wir stellen ein! Fachkräftemangel in Industriestaaten

Wir stellen ein! Fachkräftemangel in Industriestaaten


Die Arbeitswelt steht schon länger und jetzt mehr als je zuvor vor einigen Herausforderungen. Neben der alles beherrschenden Pandemie gibt es auch eine langanhaltende Veränderung durch innovative Technologien, wie künstliche Intelligenz. Diese ermöglichen eine industrielle Revolution hin zu mehr Automatisierung. Andererseits gibt es aber auch noch eine weniger offensichtliche Veränderung: der Fachkräftemangel. Damit ist meist gemeint, dass keine zur Stellenausschreibung passende Fachkraft gefunden werden kann. Arbeitgeber also keine Arbeitnehmer, die ihre Anforderungen erfüllen. Es bedeutet demnach aber auch, dass einer Fachkraft bestimmte Fähigkeiten fehlen, die von ihr gefordert werden. So oder so ist das Ergebnis: Es gibt viele offene Stellen, die nicht besetzt werden können.

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Woher jedoch der große Stellenbedarf in der Elektronikindustrie kommt und was die Konsequenzen daraus sind, soll im Folgenden erläutert werden.

Gründe für den Fachkräftemangel

Natürlich gibt es in einem solch komplexen Konstrukt, wie einer Gesellschaft, verschiedene Gründe, die zu einem Fachkräftemangel führen können. Experten haben vier Hauptgründe herausgearbeitet.

1. Die Bedeutung von Bildung

In der heutigen Gesellschaft wird hohe Bildung als eine Art Garant gesehen, um einen erfüllenden Beruf ergreifen und eine strahlende Zukunft haben zu können. Deshalb hat sich das durchschnittliche Bildungslevel erhöht und die Gesellschaft wird zunehmend akademisiert. Beispielsweise haben unter den Mitte-60-Jährigen nur ein Viertel das Abitur oder einen vergleichbaren Abschluss, während mehr als die Hälfte der Mitte-20-Jährigen eines haben. Da Menschen eine Beschäftigung ausüben wollen, die ihren Qualifikationen entspricht, können viele Stellen wegen einer Überqualifizierung der möglichen Bewerber gar nicht besetzt werden.

2. Die Altersstruktur

Jedem, der auch nur einen kurzen Blick auf die Altersstruktur unserer Gesellschaft geworfen hat, ist die Baby Boomer Generation ein Begriff – ein Peak in der Geburtenrate. Die Generation wurde zwischen 1946 und 1964 geboren, als der zweite Weltkrieg vorbei war und die Wirtschaft langsam wieder florierte. Demnach ist diese Generation jetzt zwischen 56 und 74 Jahre alt und geht nun nach und nach in Rente. Viele von ihnen bieten nicht nur Arbeitskraft, sondern haben auch viel Erfahrung vorzuweisen. Das macht es für die nachfolgenden Generationen schwer dies aufzufangen.

3. Das Verständnis des Wortes Fachkraft

Das Wort „Fachkraft“ enthält „Fach“, was auf verschiedene Art und Weisen interpretiert werden kann. Viele denken dabei an das Bildungsniveau oder Abschlussnoten. Das geht mit dem ersten Punkt einher: In der heutigen Gesellschaft wird hohe Bildung als eine Art Garant gesehen, um einen erfüllenden Beruf ergreifen und eine strahlende Zukunft haben zu können. Aber für viele Arbeitgeber geht es nicht nur um die „hard skills“, um die fachlichen Fähigkeiten, die den Bewerber für eine Stelle qualifizieren, sondern auch um „soft skills“, also Sozialkompetenzen. Der Mangel an Sozialkompetenzen ist ein großes Problem in der Arbeitswelt. Unter anderem ist das dem Mindset geschuldet, dass der Lebenslauf hoch priorisiert wird. Für viele junge Menschen wirkt es deshalb häufig so, als sei der Lebenslauf wichtiger als eine starke Persönlichkeit und Sozialkompetenzen zu entwickeln.

4. Wirtschaftswachstum: Niedrige Arbeitslosenquoten

Was eigentlich ein gutes Zeichen für den Wohlstand eines Landes ist, kann auch zu neuen Problemen führen. Wächst die Wirtschaft in einem Land, gibt es ein konstantes Bedürfnis an mehr Arbeitskräften. Eine niedrige Arbeitslosigkeit ist die Folge. Was für Arbeitssuchende gut ist, kann besorgniserregend für Arbeitgeber sein. Es gibt dann zu wenig Bewerber, die für die ausgeschriebenen Stellen genügend qualifiziert sind.

 

Weiterbildungen für Angestellte anzubieten, ist ein Weg, um dem Fachkräftemangel beizukommen

 

Wir arbeiten daran!

Es gibt vielfältige Faktoren, die angepasst werden können, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Besonders Manager müssen erkennen, dass es einen Prioritätenwechsel gibt – weg von der Höhe des Lohns, hin zu Anerkennung, Flexibilität und einer guten Feedback-Kultur. Es gibt jedoch auch Berufe, bei denen solche sozialen Faktoren nicht ausreichen, um die Stellen attraktiv zu machen. Hier muss auch die Bezahlung angepasst werden. In Zeiten des Coronavirus gab es einen besonderen Fokus auf das Lohngefälle zwischen wirtschaftlichen und sozialen Berufen. Da viele soziale Berufe, wie Krankenpfleger*innen oder Kindergärtner*innen, systemrelevant sind, muss es eine fairere Bezahlung im Vergleich zu wirtschaftlichen Berufen geben. Somit muss es nicht nur ein Umdenken in Sachen persönlicher Verwirklichung und Glück in der Arbeitswelt geben, sondern auch hinsichtlich fairer Bezahlung und struktureller Veränderungen, wie mehr Wertschätzung für weniger prestigeträchtige Berufe.

Es gibt also einen Perspektivwechsel weg von der Arbeit als Pflicht, hin zu persönlicher Selbstverwirklichung. Arbeitgeber sollten deshalb Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten. Das kann auch bedeuten, Arbeitnehmer, denen es vorher an Qualifikationen oder Erfahrungen gefehlt hat, weiterzubilden und so für offene Stellen zu qualifizieren.

Aber es gibt auch unkonventionelle Lösungsansätze. Beispielsweise hat die Regierung von Neuseeland einen proaktiven Schritt unternommen: Sie hat eine Webseite für ausländische Fachkräfte aufgesetzt. Auf dieser kann jedermann suchen, ob es in der eigenen Profession in NZ an Fachkräften mangelt. Wenn dem so ist, bietet die Regierung auf der Website direkt Informationen für Visa an.

Umsetzen oder scheitern

Eines ist sicher: Die Wirtschaft muss der Entwicklung hin zum Fachkräftemangel mit Anpassungen begegnen. Viele Unternehmen sind schon jetzt nicht so erfolgreich wie sie sein könnten, weil es zu wenige qualifizierte Arbeitnehmer gibt.

Aktuell werden in Deutschland als Jahresdurchschnitt für 2021 rund 560.000 offene Stellen erwartet. Im Vergleich zu den Jahren 2018 und 2019 schrumpfte diese Zahl um mehr als 200.000 offene Stellen. Vor der Krise wurde erwartet, dass sich die Zahl der offenen Stellen bis 2030 auf über 2,3 Millionen verdreifachen würde. Diese Prognose ist zwar nicht mehr gültig und genaue Vorhersagen für die nächsten Jahre sind nicht sehr zuverlässig, aber die umfassenden Megatrends und Herausforderungen werden die gleichen bleiben. Speziell für die Elektronikindustrie sind das: Schnellere Entwicklungszyklen und höhere Komplexität, was zu Problemen in Bezug auf Zeit und Qualität führen kann. Der Bedarf an Fachkräften besteht derzeit vielleicht nicht bei jedem Unternehmen, doch ein zukünftiger Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften ist unvermeidlich.

Diese Krise wird überwunden werden. Bis dahin sollten die Unternehmen daran arbeiten, ihren Mitarbeitern die bestmöglichen Arbeitsbedingungen bieten zu können und so die erwähnten Ursachen des Fachkräftemangels auszugleichen. Strategien dafür finden Sie in unserem Whitepaper. Dies wird Unternehmen helfen, langfristig erfolgreich zu sein und die Zukunft ohne Einschränkungen zu meistern, mit denen wir aktuell noch zu kämpfen haben.

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